Naturdenkmal Stolpener Basalt

   

Weithin sichtbar erhebt sich ca. 25 km östlich von Dresden auf einem Basaltberg die imposante Burganlage Stolpen. Untrennbar verbunden ist sie mit dem Naturdenkmal Stolpener Basalt.

Der Stolpener Basaltberg zählt zu den bedeutsamsten vulkanischen Gesteinsvorkommen im sächsisch-böhmischen Raum. Besonders hier findet sich ein schöner schlanker Säulenbasalt. Der Name Stolpen ist dem altwendischen "stolpno" (Säulenort) entlehnt. Der Basaltaufschluss von Stolpen ist das früheste erwähnte Gesteinsvorkommen seiner Art in Europa. Es ist der päpstliche Legat und geheime Kämmerer Carolus von Miltitz, der sich 1520 beim meißnischen Bischof auf Stolpen aufhält. Nach Luthers Thesenanschlag soll er im sich anbahnenden Streit zwischen dem Bischof und Luther vermitteln. Dem sächsischen Kurfürsten Friedrich der Weise schickt er von hier aus "des steyns eyn stückgh der zum stolppen wechst". Bereits wenige Tage später antwortet der Kurfürst, er werde den Stein hinsichtlich seiner Nützlichkeit prüfen. Eine neuerliche Erwähnung findet der Stolpener Basalt um 1530, als der Pirnaer Mönch Johannes Lindner (Tilianus) schreibt: "Stolpen, ein slos und stetlein czwischen Pirna und Bischofswerda, dem Bischofe czu Meisen eigen, ... und werden hier langelichte achteckige Steine zu mawern gebrochen".

Die erste eingehendere Beschreibung des Stolpener Basalts geht auf den Begründer der wissenschaftlichen Mineralogie und Bergwerkslehre, Georgius Agricola, zurück. Er rechnet den Stolpener Stein noch zu den Marmoren. Agricola verwendet in der Auseinandersetzung mit dem Vorkommen von Stolpen entgegen der bis zur Renaissance gebräuchlichen Bezeichnung "basanit" (Plinius) zum ersten Mal den Namen "Basalt", der sich letztlich durchsetzen wird. Agricolas Beschreibung des Stolpener Basalts in seinem Werk "De natura fossilium" (Die Minerale, 1546) geht auf entstehungsgeschichtliche Aspekte nicht ein.

Der sächsische Arzt und Naturforscher Johannes Kentmann bezieht sich wenige Zeit später in seiner Auseinandersetzung mit dem Stolpener Basalt auch auf eigene Anschauungen. Von ihm ist die erste bildliche Darstellung einer Säulenformation überliefert. Der Züricher Gelehrte Conrad Gesner veröffentlicht diese Darstellung als Holzschnitt in einer geologischen Abhandlung 1565. Neuere Forschungen haben belegt, dass Kentmann mehrere Säulen der "Gerichtsgruppe", der höchsten Erhebung des heutigen Naturdenkmals Stolpener Basalt, zeichnete. Damit ist festzustellen, dass Kentmanns naturalistische Wiedergabe eines Stolpener Säulenbündels die erste wiedererkennbare Kluftkörperdarstellung in der Wissenschaftsgeschichte ist. Bemerkenswert ist es, dass Kentmann in seiner Darstellung zwei Kristalle aufnimmt, einen Granat und einen dem Diamanten ähnlichen Quarz. Vermutlich deutet er eine innere kristalline Verwandtschaft zwischen Basalt und Granat an und verweist auf die Härte des Gesteins. In einem Brief Kentmanns an Gesner schreibt er, der Stolpener Stein sei "eisenrostfarbig, schwer und von der Härte des Diamanten". Auch benennt er die Verwendbarkeit des Basalts, als Amboss in den Schmieden und als Stein der Vergolder und Buchdrucker.

Im Jahre 1587 gelangt eine weitere Probe des Stolpener Basalts durch den italienischen Bildhauer Giovanni Maria Nosseni in die kurfürstliche Kunstkammer, die zu dieser Zeit gleichzeitig den Charakter eines Raritäten- und Wunderkabinetts trug. Das 17. Jahrhundert liefert kaum neue Erkenntnisse über den Basalt. Anselmus Boethius de Boodt führt 1609 aus, dass die Basaltsäulen so gut aneinander gefügt seien, "als wenn diese Anordnung künstlich ein Zimmermann getan hätte". Das 18. Jahrhundert erwähnt in Beschreibungen den Stolpener Basaltaufschluss nun wieder häufiger.

Um 1770 setzt ein heftiger Streit um die Entstehungsgeschichte des (Stolpener) Basalts ein, an dem sich weltberühmte Gelehrte beteiligen. Die Neptunisten sehen deren Herkunft als Niederschlag (Auskristallisationen) aus Wassern, die Plutonisten halten Feuer für das gesteinsbildende Element. Abraham Gottlob Werner, einer der führenden Gelehrten der 1765 gegründeten ältesten montanwissenschaftlichen Hochschule der Welt, der Bergakademie Freiberg, besucht 1776 "den berühmtesten Sächsischen Basaltberg, den bey Stolpen". Er fand "nun auch nicht die Spur von vulkanischer Wirkung, auch nicht das geringste Merkmal einer vulkanischen Erzeugung" und wirkte damit nachhaltig. Weitere bekannte Gelehrte besuchten Stolpen, um sich ein Urteil zu bilden. Auch der geognostisch interessierte Johann Wolfgang von Goethe unternahm auf einer Reise nach Schlesien am 31. Juli 1790 einen Besuch des Stolpener Burgberges. Mittelpunkt des Interesses dürfte der durch den Basaltbruch an der Westseite der Burg meilerförmig sichtbare Aufschluss gewesen sein, den Carl Heinrich Nicolai ("Wegweiser für die Sächsische Schweiz", 1801) und Wilhelm Leberecht Götzinger ("Schandau und seine Umgebungen", 1804) als sehenswert empfehlen. Der Streit der Neptunisten mit den Plutonisten währte noch bis etwa 1820. Dann hatte sich die vulkanische Theorie endgültig durchgesetzt.